Wie wird man
Segelflieger ?
"Es wird schwer sein, demjenigen, welcher derartige
Gleitflüge nie versucht hat,
eine richtige Vorstellung von den
Reizen einer solchen schwungvollen Bewegung zu verschaffen."
<Otto Lilienthal>
Trotzdem möchte
ich hier versuchen denjenigen einige Informationen zu geben,
die sich fürs Segelfliegen interessieren und es vielleicht auch
lernen möchten.
In Anlehnung an das
Vereinsprospekt des Aeroclub-Pirna.
Die
Geschichte des Segelfluges:
In Deutschland ist
Luftfahrtgeschichte natürlich besonders mit dem Namen Otto
Lilienthal verbunden, dessen Arbeit die Grundlage zur Entwicklung
der Luftfahrt bildete.
Zu Beginn der 20er Jahre fanden sich in ganz Deutschland
Gleichgesinnte, die mit selbstgebauten Hängegleitern Gleitflüge
unternahmen. Schon 1920 fand ein erster Gleit- und
Segelflugwettbewerb auf dem wohl bekanntesten Fluggelände
Deutschlands - der Wasserkuppe (Rhön) - statt. Organisator war
unter anderem der Student der Technischen Hochschule Dresden -
Erich Meyer.
Nach heutigen Maßstäben waren die ersten Gleitflüge eher "Luftsprünge" von wenigen Metern, aber die Entwicklung vom Hängegleiter zum Segelflugzeug wurde durch das Verbot des Motorflugs in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg begünstigt. An vielen deutschen Hochschulen wurde intensiv an der Verbesserung der Segelflugzeuge gearbeitet.
Beim Rhönwettbewerb 1920 flog
Wolfgang Klemper über eine Entfernung von 1830m in einer
Flugzeit von 2 Minuten und 22 Sekunden. Zwei Jahre später
gelangen dann die ersten Stundenflüge im Hangaufwind an der
Wasserkuppe.
Bis dahin war als Auftriebsquelle für den Segelflug auch nur der
Hangaufwind bekannt. Streckenflüge von den Hängen weg waren
noch nicht geglückt.
1926 erlebte Max Kegel bei einem unfreiwilligen Gewitterflug
jedoch die Existenz und Wirkung von thermischen Aufwinden in der
Ebene. 1928 bewies Robert Kronfeld, daß man die thermischen
Aufwinde unter Cumuluswolken (wie man sie hier als
Hintergrundbild sieht) durch Kreisen zum Höhengewinn nutzen
kann.
Damit eroberten sich die Segelflugzeugpiloten den Himmel über
den Ebenen und bereits 1929 gab es erste Rekorde bei
Streckenflügen von über 100 km. Vom Gummiseilstart ging man zum
Windenstart oder Motorflugzeugschlepp über.
Die Segelflugzeuge nahmen immer aerodynamischere Formen an, die verwendeten Materialien wandelten sich von stoffbespannten Holz- und Stahlrohren zu faserverstärkten Kunststoffen, die Gleiteigenschaften verbesserten sich enorm.
Streckenflüge von über 1000 km
ohne Zwischenlandung sind heute keine Sensation mehr. In
verschiedenen Flugzeugklassen starten Segelflieger zu regionalen,
nationalen und internationalen Wettkämpfen. Betrachtet man die
Weltrekorde, stehen als größte erreichte Strecke 3009 km, größte erreichte Höhe 14.938 m (im Gebirge bei sehr speziellen
Wetterbedingungen).
Und all das mit Segelflugzeugen ohne eigenen Antrieb und nur
durch Ausnutzung der Kräfte der Natur. Allerdings muss man nicht
unbedingt Wettkampfpilot werden. Die Mehrzahl der Segelflieger
sucht den Ausgleich im beschaulichen Gleiten, dem Betrachten der
Landschaft und der Freude am Fliegen als ein "Zustand in dem
man sich wohl fühlt".
Wie fliegt ein Segelflugzeug ?
Ein Segelflugzeug besitzt wie jedes andere Flugzeug auch zwei Tragflächen mit einer Wölbung (Profil). Werden die Tragflächen von vorn angeströmt, entsteht durch die Profilwölbung der Auftrieb, der es einem Flugzeug ermöglicht, vom Boden abzuheben. Schleppt man ein Segelflugzeug mit einer Seilwinde oder einem Motorflugzeug auf eine bestimmte Ausgangshöhe, gleitet es nach dem Auskuppeln des Schleppseils innerhalb weniger Minuten in der Platzrunde zur Erde zurück. Ein Segelflugzeug verliert also ohne Unterstützung der Naturkräfte prinzipiell immer Höhe mit jedem Meter den es vorwärts fliegt. Nun nutzen Segelflieger aber wie Greifvögel die Kräfte der Natur, die es ermöglichen, sich weit über die Auskuppelhöhe hinaus zu erheben.

Wie steuert man ein Segelflugzeug ?
Wesentliche Bedienelemente sind
der Steuerknüppel und die Seitenruder-Fußpedale. Mit diesen
Steuerelementen kann der Pilot die dreidimensionale Bewegung des
Flugzeuges kontrollieren.
Die Zahlen im Text (in
Klammern) führen zum Segelflugzeug-Cockpit, von wo aus man durch Anklicken des
Bildes wieder direkt zur vorherigen Textmarke zurückkehrt.

Die Basisinstrumente eines Segelflugzeugs:



Segelflugzeug-Cockpit
mit Grundausstattung bei geöffneter Haube

Die Statistik (Fliegen -
Autofahren - Alltagsgefahren), die in diesem Zusammenhang immer
wieder zitiert wird, möchte ich hier nicht bemühen.
Die Ausbildung zum Segelflugpiloten dauert in der Regel 2 Jahre;
nicht wie beim Führerschein nur wenige Wochen. Der angehende
Pilot muss viele Voraussetzungen erfüllen, ehe er überhaupt zur Prüfung
zugelassen wird. Er muss sich alle 2 Jahre von einem Fliegerarzt
untersuchen lassen und eine bestimmte Flugpraxis nachweisen. All diese Instanzen fehlen z.B. im
Straßenverkehr.
Trotzdem schnallt sich jeder Segelflieger (Pilot und ggf.
Fluggast) vor dem Start zusätzlich einen Rettungsfallschirm um,
damit man in unvorhergesehenen Situationen ein
manövrierunfähiges Flugzeug verlassen kann.
Dazu kann es eigentlich nur durch einen Zusammenstoß mit einem
anderen Flugzeug in der Luft oder durch einen massiven
technischen Defekt kommen.
Jeder Pilot führt deshalb vor dem Start eine Reihe von Checks am
Flugzeug durch, da ihm bewusst ist, dass er während des Fluges
nicht einfach "rechts ranfahren" kann. Auch eine
Pause-Taste wie bei der Computersimulation gibt es im Cockpit
eines realen Flugzeuges nicht. Daher werden Piloten zum
vorausschauenden Denken erzogen, und mögliche kritische
Fluglagen werden in der Ausbildung
mit Fluglehrern geübt.
Nichtsdestotrotz ist Fliegen auch gefährlich; es kommt eben nur darauf an, womit man es vergleicht (Schachspielen oder Schwimmen oder Freiklettern, Rauchen, Motorradfahren).
Was ist im
Winter ?
Außerhalb der Flugsaison
von Mitte Oktober bis Anfang April werden vorbeugende
Wartungsarbeiten am Flug- und Bodengerät ausgeführt. Bevor ein
Segelflugzeug in die neue Saison starten darf, wird es einem
zugelassenen Luftfahrtsachverständigen zur Jahresüberprüfung
vorgestellt. Nach einer umfassenden technischen Prüfung und
gegebenenfalls Nachbesserungsarbeiten erteilt dieser Prüfer für
die folgenden 12 Monate das Lufttüchtigkeitszeugnis für dieses
Flugzeug.
Zunächst ein paar generelle Worte und eine realistische Einschätzungen zum Beginn einer "Segelflugkarriere", um Illusionen darüber zu vermeiden.
Segelfliegen ist eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen, die man sich vorstellen kann, aber man muß nach meiner Ansicht die Begeisterung fürs Fliegen im Blut haben. Wenn wohlwollende Eltern ihre pubertierenden Kinder in einen Segelflugverein drängen, damit sie mal etwas Vernünftiges in ihrer Freizeit machen, ist die Idee zwar prinzipiell richtig, aber solche Kinder brechen die Ausbildung in der Regel spätestens nach dem ersten Winterbauprogramm ab; hängen während des Flugbetriebes lieber am Boden im Schatten herum und müssen von den Fluglehrern fast ins Flugzeug getragen werden.
Die idealen Segelflieger, die auch zumeist bis zum Entzug der Flugtauglichkeit im hohen Alter dabei bleiben, sind diejenigen, die schon als kleine Kinder zum Himmel aufgeschaut haben, um die Wolkenentwicklung und vorbeifliegende Flugzeuge und Hubschrauber zu bestaunen.
Wer mindestens 14 Jahre alt ist
und die fliegerärztliche Tauglichkeitsuntersuchung besteht, kann
in einem Verein
seiner Wahl oder an
diversen (und relativ teuren) Flugschulen in Deutschland das Segelfliegen lernen.
Jeder Flugschüler bekommt zu Beginn einen Ausbildungsnachweis
(8-seitiges Heftchen), in dem alle zu absolvierenden Flugübungen
aufgelistet sind. Diese Übungen trainiert man zusammen mit dem
Fluglehrer im Doppelsitzer oder zum Teil auch alleine und nachdem man sie sicher
beherrscht, wird einem diese Übung vom Fluglehrer unterschrieben.
| Auszug aus meinem Ausbildungsnachweis:* | ||
| 1.
Ausbildungsabschnitt ![]() "Erster Alleinflug" |
2. Ausbildungsabschnit ![]() "Fliegerische Fertigkeiten" |
|
* abgebildet ist
hier noch der
"alte" Ausbildungsnachweis,
der vor der Umstellung auf die europäische Lizenz
verwendet wurde
Die erste
Saison
Man beginnt die Ausbildung sinnvollerweise im Frühling und
fliegt die erste Zeit ausschließlich im Doppelsitzer mit einem
Fluglehrer. Der Flugschüler sitzt vorne auf dem eigentlichen Pilotensitz und der
Lehrer hinter einem auf dem zweiten Sitz. Man lernt zunächst, das
Flugzeug in der Luft zu beherrschen (sauberer Geradeaus- und Kurvenflug,
schnell, langsam etc.). Wie bei jungen Vögeln sind die ersten
Geradeaus- und Kurvenflüge noch etwas torkelig, aber schon nach
wenigen Wochen beginnt die Ausbildung im Starten und Landen.
Dann kommen "Notverfahren" hinzu (zu tief/zu hoch im
Anflug, Seilrisse beim Start in unterschiedlichen Höhen). Wenn
man das alles beherrscht, kommt die "A-Prüfung", d.h.
der Fluglehrer steigt aus und man fliegt zum ersten Mal 3
Platzrunden ganz alleine. Ein wichtiger Schritt in der
Ausbildung. Bis man soweit ist, dauert es (sofern man die
Ausbildung ausschließlich im Wochenendflugbetrieb eines Vereins
macht) ca. eine ganze Saison (von Mai bis Oktober).
Die erste
Winterpause
Der angehende Segelflieger nimmt an theoretischem Unterricht teil
und in der Segelflugwerkstatt erfährt er viel über den Aufbau
der Flugzeuge und kann bei der Wartung mithelfen.
Die zweite
Saison
Im nächsten Frühjahr geht es weiter. Man frischt zunächst alles aus der letzten
Saison wieder auf und lernt dann fortgeschrittene
Flugübungen, besondere Landetechniken wie den Seitengleitflug, die zweite Startart (zumeist
Flugzeugschleppstart); man erlernt das Aufspüren und Zentrieren
der Thermik, um sich länger in der Luft zu halten und über die Platzrunde hinaus
in einem Übungsluftraum von ca. 10km um den Flugplatz herum zu fliegen. Das alles zum Teil auch schon im Alleinflug auf
einem einsitzigen Segelflugzeugmuster unter Aufsicht des Fluglehrers, der am
Boden über Funk auf alles aufpasst. Ohne dessen Auftrag darf ein Flugschüler nicht in ein Flugzeug
einsteigen. Von Fluglehrern unabhängig fliegen darf man erst, wenn man die
Pilotenlizenz erworben hat. Bis dahin gilt es noch etwas zu lernen. Man lernt
nämlich Flugnavigation und fliegt
auch weiter vom Platz weg.
Diesen praktischen Ausbildungsabschnitt kann man je nach
Witterung schon im 2. Ausbildungsjahr schaffen, meist dauert es
aber etwas länger.
Die zweite
Winterpause (Theoriewinter)
Man hat dann in der 2. Winterpause Zeit für die offizielle
Theorieprüfung (zum PPL-C) bei der Landesluftfahrtbehörde.
Diese Prüfung ist in der Vorbereitung recht aufwendig, aber
nicht übermäßig schwer, wenn man ein gewisses technisches
Grundverständnis hat und fleißig ist. Die Ausbildungsinhalte werden in 7
Prüfungsfächern zusammengefasst. Darin enthalten sind folgende Inhalte:
Die dritte
Saison
Von dem Moment an, wo man die Theorieprüfung bestanden hat, hat
man genau 1 Jahr Zeit, die letzten Flugübungen abzuschließen
und sich auf die praktische PPL-C-Prüfung vorzubereiten, die man
im Laufe der dritten Saison absolviert.
Danach bekommt man den ersehnten
Luftfahrerschein PPL-C ausgestellt und darf von nun an ohne den
Auftrag eines Fluglehrers eigenverantwortlich Segelflugzeuge
fliegen.
Folgende Voraussetzungen muss ein Anwärter dafür
zuvor erfüllen (die Bedingungen für den Scheinerwerb und die Verlängerung sind
im Zuge der europäischen Angleichung in diesem Jahr neu geregelt worden. Daher
hier zunächst unter Vorbehalt die neuen Bestimmungen.) :
Erleichterung:
Segelflugzeuge mit Hilfsantrieb:
Ausbildungsdauer:
Und so sehen dann die entscheidenden Papiere aus... |
||||||
Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer |
Tauglichkeitszeugnis |
|||||
Scheinerhaltung:
Zur Scheinerhaltung
müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:
mindestens 25 Starts auf Segelflugzeugen innerhalb der letzten 24 Monate (der Nachweis erfolgt im Flugbuch)
Passagierflüge:
Will man als Lizenzinhaber
Passagierflüge durchführen, sind folgende Bedingungen zu erfüllen:
Drei Starts und Landungen auf dem Muster und der Klasse in
den letzten 90 Tagen.
Bei Kunstflug mindestens 50 Kunstflüge, davon drei in den letzten 90 Tagen.
Weiterbildung:
Für fortgeschrittene Piloten
gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, die man z.T. wieder mit
einer Prüfung abschließt, um die entsprechende Berechtigung im
Luftfahrerschein eingetragen zu bekommen. Erst dann darf man z.B.
den Kunstflug ausüben.

Sprungbrett ins
Boeing-Cockpit:
Besonders für Jugendliche
kann das Segelfliegen ein interessantes Hobby, ein toller Sport
und ein ideales "Sprungbrett" für einen Luftfahrtberuf
sein.
Viele Berufspiloten
bei Airlines oder auch Fluglotsen haben mit der Segelfliegerei angefangen. In Vereinen hilft man Jugendlichen preiswert zu
fliegen und unterstützt den Leistungssegelflug der Junioren bei
Training und Wettkämpfen.
Segelflugvereine
in Deutschland:
Bei <www.segelflug.de> sind eine Reihe von Vereinen mit
eigener Homepage registriert:
Segelflugschulen in Deutschland:
| Oerlinghausen (Teutoburger Wald, NRW) |
Größte Flugschule, sehr professionell, komplettes Ausbildungsangebot |
|
Wasserkuppe (Rhön, HE) |
Traditionsreiche, beliebte Flugschule, überwiegend F-Schlepp |
|
FFFeuerstein (Fränkische Schweiz, BY) |
Professionelle Flugschule, nur F-Schlepp |
|
DASSU Unterwössen (Alpensegelflug, BY) |
Deutsche Alpensegelflugschule |
| Edersee (Nordhessen) |
Kleine familiäre Flugschule. Tolle Landschaft. |
| Lübeck | |
| Laucha | |
| Hornberg |
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